Vor wenigen Wochen bin ich im Internet auf das Buch „Die Kunstmarkt-Formel“ von Hubert Thurnhofer aufmerksam geworden. Es hat mich direkt interessiert. Und dies vor allem aus zwei Gründen: Zum einen fahren die auf dem Buchrücken zitierten Kritiker starke Geschütze auf. Von schonungsloser Aufklärung ist hier die Rede und vom Ausgang der Kunstszene aus ihrer selbstverschuldeten Unmündigkeit. Zum anderen wagt sich der Autor an die Beantwortung der äußerst schwierigen Frage: „Was ist Kunst?“. Darüber hinaus interessiert mich persönlich brennend, wie Hubert Thurnhofer selbst zum Thema Kunst und Kommerz steht. Gründe genug, sein Buch aufmerksam zu lesen und meine Eindrücke mit ihnen zu teilen.VG WORT Zählpixel.

Worum es geht

Wie der Buchtitel bereits verrät, versucht Thurnhofer eine Formel für den Kunstmarkt zu definieren. Es geht also sozusagen um die Vermessung von Markt und Kunstszene – was der oben abgebildete Umschlag des Werkes auch sehr schön aufgreift. Genaueres dazu erfahren wir im ersten Kapitel.

Was dargelegt wird

Im Prolog definiert der Autor glasklar, um was es ihm genau geht. Nämlich kritisch und systematisch zu analysieren, wie die Spielregeln des Kunstmarktes lauten und wie diese Regeln angewendet werden. Seine Zielsetzung formuliert Thurnhofer exakt: Eine Antwort auf die Frage „Wie funktioniert der Kunstmarkt?“ geben. Dabei versteht er sich selbst als ambitionierten Aufklärer, der die vorherrschende Intransparenz innerhalb des Kunstmarktes beseitigen möchte. Als Hauptgrund für eben diese Intransparenz identifiziert er Dogmen vermeintlicher Nicht-Definierbarkeit von Begriffen sowie (beabsichtigte) Sprachverwirrungen. Auf den 24 darauffolgenden Seiten erläutert der Autor die Kunstmarkt-Pyramide. Ein Modell, das diesen streng hierarchischen Markt anhand von äußerst undurchlässigen Teilmärkten darstellt, die die fünf Ebenen der Pyramide bilden. Er geht hierbei angemessen tief ins Detail und der Leser erhält einen systematischen Einblick in die grundlegenden Mechanismen und Zusammenhänge des Kunstmarktes.

Gleich im Anschluss kommt Thurnhofer zum spannenden Thema Preis und Wert. Welches er akribisch auseinandernimmt und systematisch wieder zusammensetzt. Dabei gibt er absolut handfeste Antworten auf einige sehr schwierige Fragen – z.B. auf diese:

  • Welche Faktoren bestimmen über den Erfolg eines Künstlers?
  • Was haben Preis und Wert eines Kunstwerks miteinander zu tun?
  • Wie lässt sich der Wert eines Kunstwerks am Kunstmarkt objektiv herleiten?

In den fünf nun folgenden Kapiteln steigt Thurnhofer mit uns zusammen die Kunstmarkt-Pyramide hinab. Stufe für Stufe. Kunst als Investment: der Olymp -> Kunst als Prestige: die Top 100 aller Länder -> Kunst als Währung: die Arrivierten -> Kunst als Spiel: Emerging Artists und Hidden Champions -> Kunst als Therapie: Künstler aller Art.

Im neunten und damit vorletzten Kapitel gibt uns der Autor seine Antwort auf die Frage Was ist Kunst? Die definitive Antwort. Dieser geht eine systematische und stringente Herleitung voraus. Hubert Thurnhofer liefert hier eine, im besten Sinne, emotionslose Herleitung auf kunstphilosophischer Ebene. Jenseits von Meinungen, Geschmacksurteilen oder Heroisierungen. Er setzt sich nach eigener Aussage deshalb so intensiv mit der Beantwortung dieser Frage auseinander, da dies Hilft, die angestrebten Transparenz zu erreichen, deren Bedeutung er im Prolog erläutert hat. Mit meinen eigenen Worten ausgedrückt: Um zur Transparenz zu gelangen, entzaubert Thurnhofer mit der Beantwortung der Frage „Was ist Kunst?“ die rätselhafteste Sphinx innerhalb der Kunstszene.

Abschließend folgt der Epilog, in dem der Autor die Größe des Kunstmarktes (in Umsatz) und seine selbst im Buch dargelegten Informationen zu diesem Markt noch einmal kurz einordnet.

Meine Kritik

Was mir an „Die Kunstmarkt-Formel“ besonders gut gefällt

Das Buch ist sehr gut geschrieben. Die Anspruchsvollen Inhalte werden umfassend und gleichzeitig unterhaltsam beschrieben. Das Lesen macht Spaß.

Thurnhofer ist ein exzellenter Kunst-Philosoph, der insgesamt sehr systematisch vorgeht. Seine Argumente sind stets nachvollziehbar, seine Beispiele plausibel.

Man erfährt sehr viele nützliche Fakten und Zusammenhänge aus allen Bereichen der Kunstszene. Bis hin zu konkreten Namen von Veranstaltungen, deren Besuch sich lohnt.

Das Buch ist lesenswert für alle Akteure des Kunstmarktes. Es ist gelungen, eine sehr breite Zielgruppe angemessen anzusprechen.

Was mir an „Die Kunstmarkt-Formel“ weniger gut gefällt

Das Bild des mündigen Kunstrezipienten, das der Autor zeichnet, setzt enorm viel an Wissen voraus. Dieser Aspekt wird m. E. nach nicht ausreichend diskutiert.

Das Buch-Cover ist inhaltlich sehr gut gelungen, aber seine grafische Präsentation sagt mir persönlich nicht so richtig zu. Ich finde es alles in allem zu unscheinbar.

Hier und da enthält das Buch leider noch Schreibfehler, wie z.B. Buchstabendreher. Es sind nicht viele, aber sie sind mir beim Lesen wiederholt aufgefallen.

Mein Fazit

Beim vorliegenden Werk von Hubert Thurnhofer handelt es sich um eine philosophische Auseinandersetzung mit den Themen Kunstmarkt und Kunst auf sehr hohem Niveau. Mein Fazit der insgesamt 204 Seiten hört sich vielleicht gönnerhaft an, aber ich muss ganz ehrlich sagen, dass mir Thurnhofer aus der Seele spricht. Das Gefühl, dass mit diesem Kunstmarkt etwas nicht zu stimmen scheint und die Dinge irgendwie anders laufen sollten, habe ich vorher bereits lange gehabt. Konnte es aber nicht richtig in Worte fassen. Durch die systematische, kritische und transparente Analyse in diesem Buch haben meine Verbalisierungsprobleme nun ein Ende.

Dabei benennt der Autor beides: Missstände und Verbesserungsvorschläge. Und, das muss man ihm wirklich sehr hoch anrechnen, beides absolut konkret und ohne Umschweife. Ich möchte an dieser Stelle nicht spoilen. Aber so viel sei verraten: die derzeitigen Zustände innerhalb des Kunstmarktes haben in erster Linie etwas mit Preis und Wert und deren Beziehung zueinander zu tun. Das und noch viel mehr erfährt man bei der Lektüre dieses Buches. Dabei ist es in meinen Augen nicht nur für Künstler interessant, die verstehen wollen, wie der Kunstmarkt funktioniert, in dem sie agieren, sondern ebenso für alle anderen Marktteilnehmer – also insbesondere auch für Kunstinteressierte und Käufer.

Selbstverständlich muss man nicht notwendigerweise Thurnhofers Meinung sein. An der ein oder anderen Stelle bin ich auch nicht ganz d’accord mit seinen Auffassungen (ohne jedoch bis jetzt eine schlüssigere Erklärung liefern zu können). Was man jedoch zweifelsohne festhalten muss, ist, dass der Autor mit seinem Werk einen enorm wichtigen Beitrag zum Diskurs innerhalb und außerhalb der Kunstszene liefert. Wenn Ihnen das Thema am Herzen liegt und Sie jetzt neugierig geworden sind, dann kann ich nur sagen: Kaufempfehlung. Warum? Vor allem aus einem Grund: Weil Sie nach der Lektüre diese Buches einfach klarer sehen werden.

„Die Kunstmarkt-Formel“: Daten im Überblick

Titel: Die Kunstmarkt-Formel
Umfang: 204 Seiten
ISBN: 978-3-7357-7052-3
Erscheinungsjahr: 1. Auflage - Oktober 2014
Verlag: BoD - Books on Demand, Norderstedt
Autor: Hubert Thurnhofer | www.thurnhofer.cc

Das Buch ist auch online erhältlich, z.B. hier:
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