Impression von der Art Basel by Mitchell Innes and Nash | Foto: Mitchell Innes and Nash, Pope L, @Art Basel
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Art Basel

Sie ist die vielleicht wichtigste und bekannteste Kunstmesse der Welt: Die Art Basel. In diesem Jahr fand sie vom 16. – 19. Juni statt und lockte wieder zahlreiche prominente und nicht prominente Kunstfans aus der ganzen Welt an.

Auch Moitao und ich waren in Basel. Allerdings vom 10. – 14. Juni. Wir konnten die Art Basel also leider nicht selbst besuchen. Der profane Grund dafür: Ich habe leider nicht frei bekommen (Warum das in diesem Kontext gleich doppelt schade war, ich aber trotzdem Spannendes aus Basel zu berichten habe, lesen Sie im Folgenden).

Nichtsdestotrotz möchte ich gerne aus der Ferne über dieses faszinierende Event berichten - in diesem Fall also als Journalist und nicht als Reporter. Starten wir mit den Basics.

Daten & Fakten

Die Art Basel fand erstmals im Juni 1970 statt. 2016 waren mehr als 280 renommierten Galerien vor Ort. Diese präsentierten Arbeiten von rund 4.000 Künstlern, brachten den fast 100.000 Besuchern deren Qualitäten näher und verkauften natürlich zahlreiche Werke.

Nach Auffassung der Veranstalter selbst war 2016 damit eines der erfolgreichsten Jahre aller Zeiten.

Inhaltlich konstituieren die Show 8 verschiedene Bereiche: Malerei, Skulpturen, Installationen, Film & Video, Multiples (Auflagenobjekte), Drucke, Fotografie und Live Performance. Seit 2002 gibt es die Art Basel auch in Miami Beach, seit 2013 zudem in Hongkong. Erklärtes Ziel ist es, exzeptionelle zeitgenössische Kunst auf absolutem Spitzenniveau zu bieten.

n=1: Mein persönlicher Eindruck

Die Art Basel ist der Kunstolymp. Kurz und schmerzlos. Das besondere Flair dieser Messe verbreitet sich bereits Tage und Wochen vorher. Und ich konnte es bei unserem Besuch in Basel live erleben. Er liegt einfach in der Luft, dieser Duft der großen weiten Kunstwelt.

Basel selbst ist schon so toll. Hier gibt es unzählige Museen, Kunst an jeder Ecke und - das merkt man ganz deutlich - Kreativität und Schöngeistigkeit werden wirklich wertgeschätzt. Eine Stadt, die Kunst und Kultur einen solch hohen Stellenwert zumisst ist mir einfach auf Anhieb sympathisch.

Als Moitao und ich dann zum ersten Mal auf dem Messeplatz standen kam ich mir wie ein Kind vor. Diese riesige Architektur, insbesondere die tolle Dachkonstruktion und all diese bunten Vögel, die hier herumliefen, zauberten mir ein Dauergrinsen ins Gesicht.

Um noch mal kurz bei den Menschen zu bleiben: Diese lösten wirklich ein spannendes Kopfkino bei mir aus. Zwischen den „normalen“ Besuchern stachen immer wieder schillernde Persönlichkeiten, extravagante Künstler und charismatische Geschäftsleute heraus. Wo mögen die herkommen? Was mögen die genau machen? Wie haben sie ihren Weg nach Oben gefunden? Geschichten jagten Geschichten.

Soweit mein Blick von außen.

Meine Highlights

Lassen Sie mich für den Blick von innen in die Rolle des Blogger-Kurators schlüpfen. Im Folgenden zeige ich Ihnen die Galerien / Kunstwerke, die mich bei meiner Online-Recherche am meisten begeistert und fasziniert haben.

Acquavella Galleries

Bild der Acquavella Galleries

Gleichsam lasziv wie enigmatisch. So wirkt dieses Bild von John Currin auf mich. Die Galerie wurde 1920 von Nicholas Acquavella gegründet und ist stolz auf ihr Renommee bezüglich Kunst aus dem 19., 20. und 21. Jahrhundert. Hier finden sie ihren Auftritt im Netz: http://www.acquavellagalleries.com

Edwynn Houk Gallery

Bild der Edwynn Houk Gallery

Betrachtet man die Fotokunst von Lynn Davis, so verharrt man unweigerlich bei ihr und schweift gedanklich in die Ferne. So auch bei „Iceberg #23“ (Disko Bay, Greenland, 2000), das faszinierende Räume eröffnet. Mehr erfahren Sie auf der Homepage der Galerie: http://www.houkgallery.com

Jablonka Galerie

Bild der Jablonka Galerie

Vielschichtig und Fragen evozierend sind sie, die Werke von Eric Fischl. Oben zu sehen ist „Bedroom Scene 7. After The Tantrum. Unholy News“ aus dem Jahr 2004. Neben anderen hat die Galerie Jablonka auch so spannende Künstler an Bord wie David Lachapelle und Richard Prince. Hier geht es zur Website: http://www.jablonkagalerie.com

Beltracchi

Kommen wir nun zum eigentlichen Grund dafür, warum wir in Basel waren. Moitao und ich hatten zuvor eine Einladung von art room9 erhalten. Zur Ausstellung „Free Method Painting“, in deren Rahmen die Galerie vom 13. – 17.6.2016 die neuen Bilder von Wolfgang Beltracchi präsentierte.

Ich habe zu diesem Thema einen ausführlichen Blogartikel geschrieben. Sie finden ihn hier. Schauen Sie in jedem Fall mal rein, denn er enthält auch ein exklusives Interview mit dem Ausnahmekünstler, das spannende Einblicke in sein Wirken gibt.

Unser Besuch der Ausstellung war aufregend, interessant und bereichernd. Wolfgang Beltracchi und seine Frau Helene waren beide anwesend. Und obwohl sehr viel Stress herrschte, es wurden Filmaufnahmen für eine französische Dokumentation gedreht (hier fand ich mich übrigens unwillkürlich vor der Kamera wieder und bin gespannt, ob ich im französischen Fernsehen auftauchen werde), waren die beiden sehr nett und aufmerksam zu allen Anwesenden.

Was Moitao und mich ganz besonders gefreut hat: Wir hatten kurz Zeit, mit den beiden zu plaudern und Wolfgang Beltracchi war so nett, mir eine Widmung in mein Exemplar von „Selbstporträt“ zu zeichnen. Ich werde sie in Ehren halten. Das Buch ist übrigens sehr empfehlenswert. Ich habe es ausführlich rezensiert. Hier finden Sie Part 1 der Besprechung, und hier Part 2.

Wenn so viel Spannendes passiert, vergeht die Zeit wie im Fluge. Gegen 13:30 Uhr verabschiedeten wir uns von den Beltracchis und machten uns auf zu unserem nächsten Programmpunkt an diesem Tag: Der Erkundung der Baseler innenstatt.

LISTE

Die Stadt im Dreiländereck ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Dennoch erspare ich Ihnen hier die Details, denn es geht ja um Kunst. Nicht um eine Stadtführung.

Spulen wir also kurz vor und springen zum 13.6. um 17:00 Uhr.

Moitao und ich hörten ungewöhnlich viel Lärm aus einer Seitenstraße. Progressive Elektromusik vermischte sich mit der unentwirrbaren Geräuschwolke hunderter Menschen, die angeregte Gespräche führten.

Wir gingen um eine Ecke und sahen Polizisten, die gerade dabei waren Plakate einzukassieren. Sie hingen wohl ohne Genehmigung hier. Vor uns sahen wir Fressbuden und viele gut gekleidete Menschen, die sich unterhielten und durch die enge Gasse drängten.

Keine Frage, hier fand ein Kunsthappening statt. Welches, erfuhren wir dann auch recht schnell: Es hörte auf den Namen „LISTE“.

Größer und gleichzeitig passender hätte der Kontrast eigentlich nicht sein können. Nicht größer, weil wir uns hier – nach dem Gespräch mit einem der bekanntesten und interessantesten Antagonisten der Kunstszene, das wir eben noch geführt hatten – wenig später inmitten eben jener wiederfanden. Nicht passender, weil wir so aus unmittelbarer, eigener Erfahrung über beide Seiten derselben Medaille reflektieren konnten.

Wir hatten Glück, der Eintritt war frei. Also gaben wir schnell unsere Taschen an der Garderobe ab und traten ein.

Die Ausstellung fand im „Werkraum Warteck - Malzsilo“ statt. Einer sehr schönen Location, die sich über mehrere Etagen in die Höhe erstreckt. Wir leisteten daher nicht nur intellektuell viel, sondern auch körperlich. Rund 2 Stunden dauerte unsere Reise, dann traten wir wieder ins Freie.

Und, was fragen Sie sich jetzt? Hoffentlich: Wie war es?

Äußerst interessant: Viel Potential und gute Ansätze auf allen Ebenen. Die LISTE zeigt aufstrebende Galerien aus vielen Teilen dieser Erde. In diesem Jahr waren gut 80 Galerien aus mehr als 30 Ländern vor Ort. Die Stile und Handschriften der Künstler unterscheiden sich dabei signifikant und schufen einen sehr weiten Rahmen.

Die Messe präsentiert den vielversprechenden Nachwuchs. Und daher möchte ich auch nicht verschweigen, dass man ihr das an vielen Stellen ansieht. Nicht alle Kunstwerke waren aus unserer Sicht komplett final, nicht alle Künstler konnten ihr ganzes Potential zeigen. Aber, dass einiges noch Zeit zum Wachsen braucht, liegt hier in der Natur der Sache.

Viele der Arbeiten, die uns äußerst gut gefallen haben, kamen aus dem osteuropäischen Raum. Aber auch einige Künstler aus New York, Deutschland oder Großbritannien haben uns nachhaltig beeindruckt.

Abschließend lässt sich sagen: Alles in allem waren wir sehr glücklich, dass wir doch noch die Gelegenheit hatten vielfältige Kunst live zu erleben. Und dass wir dies gratis tun konnten, setze dem glücklichen Zufall unseres Besuchs die Krone auf.

Quellenangabe