Christopher Lehmpfuhl am Großglockner | Foto: Florian Selig
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Er geht raus – immer dem Licht nach. Unter freiem Himmel und inmitten der Natur malt er seine Bilder. Buchstäblich mit den eigenen Händen und ohne Pinsel. Die Werke des Berliner Künstlers Christopher Lehmpfuhl (43) tragen eine ganz eigene Handschrift. Mich persönlich haben seine Bilder auf der Art Cologne 2015 in ihren Bann gezogen. Ich wollte mehr erfahren und habe Christopher Lehmpfuhl im Anschluss eine Interview-Anfrage gesendet. Glücklicherweise hat er „Ja“ gesagt.

Kunst-in-Bildern: Herr Lehmpfuhl, warum genau machen Sie eigentlich Kunst? Was treibt Sie bei ihrer Arbeit an?

Lehmpfuhl: Ich habe einen inneren Antrieb, der mich immer wieder dazu animiert, Kunst zu machen, in die Natur zu gehen, vor Ort mit allen Sinnen die Atmosphäre, das Licht und die Farbklänge aufzunehmen und in Kunst zu verwandeln. Kunst ist es, was mich am Leben erhält. Ich brauche sie wie andere den Sauerstoff. Mich fasziniert das Licht – und ich möchte es greifbar machen. Bereits im Alter von acht Jahren habe ich die Impressionisten kopiert, um deren Technik zu erlernen. Seitdem versuche ich, eine zeitgemäße Form des Impressionismus zu entwickeln, die sich mit dem „Hier und Jetzt“ auseinandersetzt.

Kunst-in-Bildern: Und wenn das mit der Kunst nicht funktioniert hätte? Wenn Sie kein Maler geworden wären, dann wären Sie jetzt…

Lehmpfuhl: Für mich gab es keine Alternative.

Kunst-in-Bildern: Sie haben einen ganz besonderen Malstil. Könnten Sie den Lesern ihre Arbeitsweise bitte kurz erläutern?

Lehmpfuhl: Ich trage gerne dick auf! Meine Bilder gleichen Reliefs, was auch vielen Bildhauerkollegen gefällt. Dabei spielt das Wetter eine entscheidende Rolle. Je stärker die Widerstände wie Wind, Kälte, Hitze, Regen oder Schneefall, desto pastoser der Farbauftrag.

Christopher Lehmpfuhl mischt Farben an.

Christopher Lehmpfuhl beim Anmischen seiner Farben | Foto: Florian Selig

Kunst-in-Bildern: Sie arbeiten draußen in der Natur. Wie wirkt sich dies auf Ihre Arbeit und Ihre Werke aus?

Lehmpfuhl: Ich stehe im ständigen Dialog mit der Natur und lasse sie Teil haben am Malprozess. Weswegen Grashalme, Blätter, Sand oder Schneekristalle sich mit der Farbe vermengen und zu besonderen Strukturen im Bild beitragen. Auch mag ich es, wenn man den Einschlag der Wassertropfen auf der Leinwand noch sieht. Die Oberfläche wird dann ganz matt. All diese Elemente lasse ich zu und sie werden Teil des Bildes.

Kunst-in-Bildern: Wenn man Ihre Bilder intensiv betrachtet, dann wirkt es fast so, als gerieten diese in Bewegung. Die Dynamik in Ihren Bildern, wie genau erzeugen Sie diese und welchen Stellenwert hat sie für Sie?

Lehmpfuhl: Mein Lehrer Klaus Fußmann hat immer gesagt, dass ich überall Bewegung sehe und nicht im Stande bin RUHE zu malen. Das stimmt. Ich würde selbst an einem windstillen Tag das Meer etwas dynamischer malen als es ist. Ich versuche so, eine Dynamik und Spannung ins Bild zu bringen. Ich bin aber zugegebenermaßen ganz in meinem Element, wenn es acht oder neun Windstärken hat und ich mit dem Bild fast wegfliege. Dann spüre ich die Urkräfte der Natur und werde eins mit ihr.

Kunst-in-Bildern: Wie haben Sie zu diesem Stil gefunden? Und wie war Ihr Weg als Künstler?

Lehmpfuhl: Zu dem pastosen Stil hat sicherlich mein Lehrer Klaus Fußmann beigetragen. Sein Malstil beeindruckte mich von Anfang an. Und wir stehen bis heute in engem Kontakt. Er hat schon während des Studiums sicherlich entscheidende Grundsteine gelegt, indem er mich z.B. bei einer wichtigen Berliner Galerie empfahl. Dadurch hatte ich nach dem Studium bereits einen guten Einstig in die Kunstszene. Daraus resultierten weitere Galeriekontakte, die mich über die Jahre aufgebaut haben. So konnte ich nach und nach meine Existenz als Künstler aufbauen.

Kunst-in-Bildern: Haben Sie ein Vorbild / Idol unter den bildenden Künstlern?

Lehmpfuhl: Die französischen und deutschen Impressionisten haben mich von Anfang an begleitet und zur Plein Air Malerei animiert. Ich bin aber auch ein großer Fan von Goya, Vermeer, Corinth, Van Gogh, Soutine und Hopper. Von den Zeitgenossen begeistern mich immer wieder Olafur Eliasson, Neo Rauch oder Gerhard Richter. Meine Frau und ich sammeln seit vielen Jahren Kunst, was unseren Alltag sehr bereichert und inspiriert.

Christopher Lehmpfuhl inmitten der Elemente.

Christopher Lehmpfuhl in seinem Element: Inmitten der Elemente (hier in Neapel) | Foto: Florian Selig

Kunst-in-Bildern: Apropos Kunst sammeln, wir haben Ihre Bilder auf der Art Cologne zum ersten Mal gesehen. Was bedeutet diese Kunstmesse für Sie persönlich und welche Bedeutung geben Sie ihr innerhalb der Kunstszene?

Lehmpfuhl: Die Art Cologne ist in Deutschland die wichtigste Kunstmesse neben der Art Karlsruhe. Es ist eine große Ehre und Freude auf solch einer Messe vertreten zu sein, da sie von einem sehr entscheidenden Fachpublikum besucht wird und man ggf. auf namhafte Sammler stößt. Nirgendwo sonst kann man innerhalb so kurzer Zeit ein so breites Publikum erreichen. Ich bin der Galerie Ludorff sehr dankbar, dass sie mich nun schon neun Jahre in Folge mitnehmen.

Kunst-in-Bildern: Und wenn wir den Blick etwas ausweiten. Wie ist Ihre Sichtweise auf die aktuelle Kunstszene in Deutschland? Was gefällt Ihnen gut? Was gefällt Ihnen weniger gut?

Lehmpfuhl: Die Kunstszene hat sich im Laufe der letzten 20 Jahre stark verändert. Während meines Studiums beispielsweise war meine Form von gegenständlicher Malerei absolut verpönt. Malerei sei tot, es lebe die Konzept- und Videokunst, hieß es. Ich habe mich davon aber nie beeinflussen lassen, sondern bin immer meinen Weg gegangen. Es hat auch andere Künstler gegeben, die sich nicht haben irritieren lassen, wie Klaus Fußmann oder die Künstlergruppe, die Norddeutschen Realisten, der ich seit zehn Jahren angehöre. Mittlerweile hat die Malerei auch auf den Messen wieder Einzug gehalten, worüber ich mich sehr freue. Sie ist nicht tot, solange es Maler gibt. Ich bin für eine große Vielfalt und interessiere mich für sehr unterschiedliche künstlerische Positionen, die auch gar nichts mit meiner Kunst zu tun haben. Entscheidendes Kriterium ist für mich immer die Qualität eines Kunstwerkes.

Kunst-in-Bildern: Sie haben gesagt, die Malerei ist nicht tot, solange es Maler gibt. Was würden Sie eben jenen jungen Künstler raten, die nachrücken, gerade am Anfang ihrer Karriere stehen und innerhalb der Kunstszene voran kommen möchten?

Lehmpfuhl: Wichtig ist, erst mal ein Thema zu finden, das einen interessiert. Da es in der Kunst bereits fast alles gegeben hat, muss man sich für eine bestimmte Arbeitsweise, eine Technik entscheiden, die einem hilft, einen künstlerischen Ausdruck zu finden. Authentizität ist dabei das Entscheidendste. Ich empfehle auch jedem Künstler, früh auszustellen und Kontakte zu Sammlern und Galeristen zu knüpfen und diese zu pflegen. Und natürlich sollte man als Künstler sehr fleißig sein und sich nicht auf den eigenen Lorbeeren ausruhen.

Kunst-in-Bildern: Lassen Sie uns am Ende dieses Interviews den Blick noch kurz gemeinsam in die Zukunft richten. Wie sehen Ihre weiteren Pläne aus? Was kommt als nächstes? Wo soll es hingehen?

Lehmpfuhl: Ich habe immer sehr viele Projekte und Reisen, die ich versuche mit meiner Familie abzustimmen – was eine ziemliche Gratwanderung darstellt. Ich kann ja nicht nach Fotos arbeiten, sondern muss zu meinen Motiven hinfahren. In diesem Jahr habe ich in der Schweiz, Italien, Dänemark und innerhalb Deutschlands gearbeitet und werde noch nach Korea und Island, sowie Südtirol fahren.

Christopher Lehmpfuhl: Impression am Firnsee.

Christopher Lehmpfuhl fängt eine Impression am Firnsee ein | Foto: Florian Selig

Weiterführende Informationen zu Christopher Lehmpfuhl

  • Homepage von Christopher Lehmpfuhl mit seiner Vita, Presseberichten, Videos und vielen Bildern: christopherlehmpfuhl.de
  • Auf YouTube gibt es einige interessante Videos über die Arbeit des Künstlers. Folgendes möchte ich als Einstieg empfehlen: Expressive Kunst auf den Düppeler Schanzen
  • Zur Vertiefung ist dieser Film von Sebastian Schrade / hit & run film, berlin sehr sehenswert
  • Alle Bilder in diesem Interview stammen von Florian Selig, Fotodesigner aus Berlin