Low Poly Art: Entdeckungsreise in die faszinierende Welt der Dreieckskunst

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Low Poly Art: Panda by Moitao.

Dieses Low Poly Art-Bild trägt den Namen Sad Panda | Bild: MoitaoVG WORT Zählpixel.

Eventuell kennen sie das Wort noch nicht, aber ich bin mir absolut sicher, dass sie Bilder im Stil der Low Poly Art bereits gesehen haben. Gerade in jüngerer Zeit ist diese künstlerische Ausdrucksform wieder populärer geworden.

In diesem Blog-Post lesen sie, was Low Poly Art ist, wie ihre Geschichte bisher verlief, wie man sie kreiert und wer einige ihrer bekanntesten Vertreter sind.

Low Poly, Low Poly Art – ja, was denn nun?

Aber was bedeutet Low Poly Art eigentlich? Starten wir mit einer kurzen Einordnung. Das Wort Low kann vieles heißen. In diesem Zusammenhang macht die Bedeutung „gering“ allerdings am meisten Sinn.

Poly lautet die Kurzform des Wortes Polygon. Das Polygon ist ein Phänomen aus der Geometrie. Gemeinhin sagt man dazu auch einfach Vieleck.

Art heißt, sie ahnten es bereits: Kunst. Mit dem Begriff Low Poly Art bezeichnet man also Kunst aus Polygonen, die einen geringen Detailgrat aufweist.

Der Ursprung: Deine Mutter läuft auf DOS

Polygone kommen in ganz unterschiedlichen Lebensbereichen vor. Unter anderem Entwickler von Videospielen beschäftigen sich tagtäglich mit ihnen. Denn in Games werden 3D-Objekte, wie Charaktere, Gegenstände und Landschaften usw. aus Polygonen zusammengebaut.

In der Praxis werden hierfür dreieckige Polygone verwendet. Je mehr davon ein Objekt hat, desto detaillierter erscheint es. Das alles wird heutzutage aufwändig berechnet und mit hochauflösenden Texturen und Effekten überzogen. Daher nimmt man die Polygone bei aktuellen Spielen (so gut wie) gar nicht mehr bewusst wahr.

Es gibt keine absolute Definition von Low Poly. Da die technische Entwicklung ständig voranschreitet, ändert sich die Definition von „Low“ permanent. Daher kann Low Poly immer nur relativ beschrieben werden.

In meiner Jugend war das noch ganz anders

Zu meiner Hochzeit als Computerspieler dominierten klar zu erkennende geometrische Objekte das Geschehen auf dem Bildschirm. Diese setzten sich aus nur sehr wenigen Polygonen zusammen (Low) und besaßen zunächst keine Texturen – waren also quasi nackt.

Das ist der Ursprung der Low Poly Art. Bei der es sich also anders gesagt um Kunst im Videospiel-Retro-Look handelt. Deren Charme in einer digitalen, unvollkommenen Einfachheit liegt, die zugleich sehr ästhetisch und gewollt ist.

Entwicklung: Aus 3D wird 2D

Über die letzten Jahre und Jahrzehnte haben einzelne Künstler innerhalb und außerhalb der Gaming-Branche den Low Poly-Look aufgegriffen und Werke in diesem Stil kreiert.

Zwar ist die Low Poly Art gerade jüngst wieder gefragter und beliebter geworden, trotzdem ist sie nie wirklich zum Mainstream durchgedrungen. Sie blieb und bleibt bisher Nischenkunst für eine kleine, interessierte Gruppe.

Low Poly-Künstler verwirklichen sich dabei sowohl in 3D als auch in 2D. Ich lehne mich jetzt einfach mal aus dem Fenster und behaupte, dass eigenständige 2D Low Poly Art allerdings weitaus üblicher ist als jene in 3D. Und das häufigste Medium mittels dessen eigenständige Low Poly Art verbreitet wird ist das Bild.

Woher kommt das? Das liegt meiner Ansicht nach insbesondere an drei Dingen:

  • Erstens sind die Programme zur Erstellung von 2D-Bildern, -Illustrationen und -Grafiken im Großen und Ganzen einfacher zu bedienen, als jene zur Erstellung von 3D-Modellen.
  • Zudem erstellen begabte Künstler und Designer auch mit 2D-Programmen sehr gute plastische und räumliche Low Poly Art, also sozusagen einen ausreichenden Pseudo-3D-Look.
  • Und zu guter Letzt ist der Aufwand für die Erstellung von 3D-Objekten höher. Ihre wirklichen Vorteile spielen diese aber eigentlich nur innerhalb eines interaktiven Kontextes aus, wie z.B. in einem Spiel oder einer 3D-Anwendung.

Low Poly Art: Bild eines Chihuahua.

Tierische Low Poly Art: Chihuahua-Bild aus der Kollektion „Digital Diamonds“ | Bild: Moitao

Diese Entwicklung ist etwas paradox. Denn eigentlich kommt die Low Poly Art ja aus dem 3D-Bereich. Im Medium Bild wirkt sie allerdings adäquater als 2D-Adaption (was ich damit meine, erkläre ich gleich).

Somit waren die Illustratoren zwar viel später dran als die 3D-Künstler und haben deren Low Poly-Style „nur“ auf den 2D-Bereich übertragen. Meiner Einschätzung nach treiben sie die Verbreitung der Low Poly Art in Richtung Mainstream aber trotzdem stärker voran.

Ich denke, das liegt an der oben erwähnten Adäquatheit. Damit meine ich, dass elaborierte 3D-Modelle auf einem Bild letztendlich immer etwas exponiert und entrückt wirken. So, als habe man sie aus ihrer natürlichen Umgebung herausgelöst. Und irgendwie beschreibt dies ja auch die Tatsachen.

Ganz verschiedene Dreiecke: So wird Low Poly Art gemacht

Ich möchte hier nur ganz kurz auf die üblichsten Kreations-Pfade eingehen, die Künstler in der Regel beschreiten um Low Poly Art zu kreieren. Falls Interesse an einem detaillierten Artikel darüber besteht, dann bitte einfach kurz per Kommentar melden.

Pixelbasiert via Bildbearbeitungsprogramm

Jedes bessere Bildbearbeitungsprogramm bietet heute genügend Funktionalitäten um Low Poly Art zu realisieren. Vorteile sind dabei der schnelle Einstieg sowie eine vergleichsweise einfache Bedienbarkeit.

Zudem bieten Programme wie Photoshop, GIMP und Konsorten viele „Aufhübschungs-Möglichkeiten“, wie Filter und Lichteffekte.

Nachteilig ist hierbei allerding das Pixel als kleinste Einheit. Dadurch ist man sehr unflexibel und größere Änderungen sind später entweder gar nicht mehr oder nur mit großem Zeitaufwand möglich.

Heute bestehen High Poly-Objekte aus mehreren Millionen Polygonen. Bei Low Poly reicht die Anzahl dagegen von einigen Hundert bis maximal einigen Tausend Polygonen.

Vektorbasiert via Grafikprogramm

Nutzt man Grafikprogramme, wie z.B. Inkscape, Sketch oder Illustrator, dann hat man den großen Vorteil, dass man mit Vektoren arbeitet. Änderungen sind so später jederzeit möglich und Formatprobleme gehören, dank grenzenloser Skalierung, der Vergangenheit an.

Einstieg und Handling sind auf dieser Route allerdings schwerer und die Lernkurve fällt alles in allem steiler aus als bei den Bildbearbeitungsprogrammen. Außerdem fehlen bei Grafikprogrammen die vom Betrachter gewohnten Filter- und Lichteffekte.

Daher greifen die meisten Low Poly-Künstler dann über Export / Import in der Postproduktions-Phase auf die Stärken der bekannten Bildbearbeitungsprogramme zurück.

Modellbasiert via 3D-Grafiksoftware

Erstellt man Low Poly Art mittels 3D-Modellen, so liegen die Vor- und Nachteile eigentlich schon auf der Hand. Tools wie 3ds Max, Cinema 4D, Silo 3D usw. werden eigentlich primär von Experten verwendet, die sie ohnehin schon innerhalb ihrer professionellen Arbeit einsetzen.

Natürlich kann man sich auch als Laie einarbeiten – keine Frage. Aber diese Anwendungen sind generell noch komplexer und anspruchsvoller als Grafikprogramme. Und wenn man gar nicht das volle Potential von 3D-Objekten nutzen möchte, weil man im 2D-Bereich bleibt, dann stellt sich unweigerlich die Kosten-Nutzen-Frage.

Will man den 3D-Weg bewusst beschreiten, so eröffnen einem die entsprechenden Programme die dritte Dimension und damit auch weitere künstlerische Ausdrucksmöglichkeiten.

Mischformen aus diesen drei Wegen bieten sich natürlich an und sind in der Praxis auch absolut üblich.

Low Poly Art: Entstehungsprozess in 3 Schritten.

In 3 Schritten zum neuen Hundebild: Zeichnung -> Gitternetz -> Befüllung | Bild: Moitao

Es wird persönlich: Einige bekannte Köpfe

Die Low Poly-Szene ist nicht riesig und zugleich sehr fragmentiert. Aber es gibt natürlich trotzdem einige Kreative, die sie maßgeblich (mit) geprägt haben.

Einer von ihnen ist Timothy Reynolds. Der US-amerikanischen 3D-Illustrator ist eine Autorität innerhalb der neueren Low Poly-Bewegung. Er zählt zu den populärsten Experten und einflussreichsten Kreativen innerhalb der Szene.

Auch die Arbeiten von Richard Whitelock – einem britischen Spieleentwickler, Fotografen und Digital Artist – gelten als wegweisend und genreprägend. Er drückt sich primär über das Medium Videospiel aus und arbeitet derzeit, unter anderem, am wunderhübschen Titel „Into This Wylde Abyss“.

Meinem ganz persönlichen Geschmack nach sind zudem die Bilder von Ryan Barber, Chris Drinkwater und Paul Douard extrem sehenswert und äußerst zu empfehlen. Wer es gerne etwas moderner und unkonventioneller mag, sollte zudem mal einen Blick auf die Werke von iqbal hakim boo und Erwin Kho werfen.

„Wenn du als Betrachter in Low Poly Art-Bilder hineinzoomst, dann kannst du dich völlig in ihnen verlieren – Lost in the triangle world.“ [Moitao]

Ansichten einer Künstlerin: Interview mit Moitao

Wie sie durch die Bilder in diesem Artikel ja bereits gesehen haben, gehört die Low Poly Art auch zum Repertoire von Moitao. Ich habe meine Frau daher zu einem Interview überredet und ihr einige Interessante Statements zu diesem Thema und ihrer Kunst entlockt.

Warum kreierst du eigentlich Low Poly Art? Und warum nennst du deine Werke „Digital Diamonds“?

Irgendwann habe ich mal ein Poster in diesem Style gesehen. Es hat mich sofort fasziniert. Insbesondere die Farben und Formen haben mich in ihren Bann gezogen. Und diese bilden für mich auch das Herz der Low Poly Art.

Nach kurzer Recherche fand ich zudem heraus, dass die Low Poly Art auf Videospiele zurückgeht. Das find ich spitze, denn ich liebe Games und spiele auch selbst total gerne.

Der Grund, warum ich meine Werke „Digital Diamonds“ nennen ist ganz einfach erklärt: Bevor ich mich näher mit dem Thema beschäftigt hatte, fand ich, Low Poly Art-Bilder sehen aus wie Diamant-Schnitte.

Macht dir deine Arbeit mit diesem Stil wirklich Spaß?

Absolut. Wie man sehen kann, entwickele ich gerade eine komplette Serie mit 100 Hundebildern, nur in diesem Style. Ich arbeite nicht ausschließlich an Low Poly, aber wenn ich es tue, dann ist es für mich fast eine Art Meditation.

Low Poly Art ist so clean und wenn du als Betrachter in die Bilder hinein zoomst, dann kannst du dich völlig in ihnen verlieren – Lost in the triangle world^^

Um das ganze Bild wirklich zu erfassen musst du zurücktreten. Das ist sehr philosophisch und spirituell für mich.

Was ist die Herausforderung bei dieser Kunstform? Und, bevorzugst du Low Poly Art in 2D oder 3D?

Hier geht es darum Komplexität in Simplizität umzuwandeln. Du brauchst ein gutes Auge um einschätzen zu können, welches die Schlüssel-Elemente eines Objekts sind. In der Kreation entscheidet der Künstler dann zudem darüber, wie groß die Dreiecke sind und wie genau sie angeordnet werden.

Der Gebrauch der Farbe beeinflusst die wahrgenommene Perspektive bei Low Poly Art-Bildern sehr stark. Ich denke, das ist auch der Hauptaspekt, der gute von schlechten Werken unterscheidet.

Zur zweiten Frage: Ich habe nie mir 3D-Modellen gearbeitet, also kann ich dazu nicht wirklich etwas sagen. Aber es hört sich super spannend an, vielleicht arbeite ich mich da mal in der Zukunft rein.

Low Poly Art: Bild mit zwei Hunden.

Portrait-Bild: „Wir sind Scotch & Westie“ | Bild: Moitao

Es gibt viele Künstler da draußen, die Low Poly Art erstellen. Was ist dein Markenzeichen?

Soweit ich das bisher beobachten konnte, arbeiten viele Designer mit Fotos. Bei mir ist es normalerweise immer so, dass ich mit meinen eigenen Zeichnungen starte. Sie Bilden den Hintergrund, darauf baue ich dann den Rest auf.

Meine Low Poly Art hat daher einen stärkeren Cartoon-Look. Das sieht man z.B. ganz gut bei den Hundebildern. Da ich meine eigenen Zeichnungen benutze, bin ich flexibler und meine Bilder sehen weniger nach Retorte aus.

Was ich damit genau meine? Nun, viele Künstler spiegeln beispielsweise einfach die linke Seite eines Bildes nach rechts. Da meine Werke auf meinen eigenen Zeichnungen beruhen, macht sie das nicht so glatt, weniger perfekt, echter. Dadurch sind sie für mich irgendwie natürlicher und lebendiger.

Eine letzte Frage: Wie wirst du deine Kunst in der Zukunft weiterentwickeln?

Ich habe Lust, mich an abstraktere Arbeiten zu wagen und mein Portfolio damit noch vielseitiger zu gestalten. Wobei ich meine Hunde-Serie natürlich im selben Stil abschließen werde. Ich freue mich schon so darauf, wenn ich die 100 voll habe.

Ich möchte mein eigenes Markenzeichen noch besser herausarbeiten und wirklich gerne meine eigenen Fußspuren innerhalb der Low Poly-Szene hinterlassen.

Vielleicht werde ich dabei auch Synergien mit traditionelleren Stilen und Mixed Media einsetzen, mal schauen. In jedem Fall sehe ich mich selbst in der Zukunft noch deutlich mehr mit geometrischen Figuren arbeiten.

Weiterführende Links

Interview: One Minute With… Timothy J. Reynolds (Englisch)
Interview mit Richard Whitelock (Englisch)

Quellenangabe

A comprehensive history of low-poly art
Is there a definition for the polygonal art design found in games?
Showcase of Creative Polygonal Artworks
Wikipedia: Low poly

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Wer schreibt diesen Blog?

Fabian Kockartz: Autor kunst-in-bildern Blog.Mein Name ist Fabian Kockartz. Ich bin begeisterter Onliner und Autor des Kunst-in-Bildern Blogs.

In meiner Freizeit unterstütze ich meine Frau Moitao mit Federkiel & Tinte und schreibe hier über alle Themen rund um die Kunst.

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Über die Künstlerin Moitao

Das ist Moitao von kunst-in-bildern.

Die Welt in der wir leben ist so interessant. Ich genieß das Leben und liebe es, die Dinge aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten.

Die Schönheit, die ich finde, drücke ich durch meine Kunst aus. Zunächst erwecke ich meine Werke zum Leben, auf Kunst-in-Bildern teile ich sie mit der Welt. Ich bin Moitao.

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